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Gradierwerk / Saline

Gradierwerk / Saline: Entstehung, Entwicklung und Wirkung

Zur Erhöhung der Salzkonzentration im unterirdisch gewonnenen Solewasser wurde schon im Mittelalter das unterirdisch gewonnene Solewasser in großen Salzpfannen verdampft und damit konzentriert. Da dies jedoch einen enormen Bedarf an Brennholz erforderte und schon ganze Landstriche, wie etwas der später als Lüneburger Heide bekannte Lüneburger Wald, im ausgehenden Mittelalter abgeholzt worden waren, gingen die Überlegungen zur Salzgraderhöhung in Richtung der kostenlosen Energien Wind und Sonne.

Was zunächst mit einem von Solewasser durchrieselten Strohgestell begann, entwickelte sich im 16. Jahrhundert zur sogenannten `Dorngradierung´. Dabei wurde das salzhaltige Wasser nicht mehr über einfaches und überdies auch schnell faulendes Stroh, sondern über eine mit Dornreisig bestückte, meterhohe Wand geleitet. Durch das stete Rieseln tropfte das Wasser langsam von Dorn und Dorn und von Ast zu Ast bis es schließlich zum Großteil verdunstet war.

Das derart hochkonzentrierte Solewasser konnte einen Salzgrad von bis zu 27% aufweisen. Zudem lagerten sich im Dornreisig die im Wasser enthaltenen anderen Stoffe, wie zum Beispiel Gips und Kalk, ab. Dementsprechend rein war das Solewasser aus Dorn-Gradierwerken, was schließlich auch zu deren steigenden Beliebtheit beitrug. Doch die Errichtung der immer höher und länger werdenden Bauwerke erforderte immer mehr Kapitalaufwand, sodass die Gradierwerke schließlich im 18. Jahrhundert mehrheitlich in landeseigene Unternehmen umgewandelt wurden.

Bis heute bilden Gradierwerke die Anziehungspunkte der großen Soleheilbädern und tragen nach wie vor zur Linderung und Heilung von Atemwegs- und Hauterkrankungen bei. Denn schon früh wurde auch erkannt, dass die Umgebungsluft von Gradierwerken positive Auswirkung auf die Atemwege und die Haut hat. So binden die Salzionen in der Luft nicht nur Schmutzpartikel und kreieren damit ein reizarmes Mikroklima, das insbesondere Allergikern eine Reise ans Meer erspart, sondern die Salzionen wirken sich auch entzündungshemmend und durchblutungsfördernd auf Lunge, Atemwege und Haut aus.

Neben den historischen Gradierwerken werden in jüngster Zeit gerne auch Miniatur-Gradierwerke in Innenräumen aufgestellt, wo sie dank ihrer Luft reinigenden Wirkung für ein angenehm frisches Raumklima mit Meeresbrise sorgen. Ein verzeichnis der Gradierwerke in Deutschland gibt es hier.